Sommerliche Farbfreuden

Wieder liegt eine bunte Woche hinter mir mit Sommerdruckerei und einer kleinen Workshop-Reise in den Norden. Von der Reise werde ich später berichten. Heute gibt es zum Mittwochsmix einen Rückblick auf den sommerlichen Pflanzendruck-Workshop und einen Erfahrungsbericht mit dem neuen Reinigungsset für Acryl-Pinselwasser, das ich testen durfte. Das Thema treibt mich schon lange um und ich bin so froh, dass es endlich eine Lösung dafür gibt. Außerdem gibt es noch einen kleinen Einblick in mein Monatsbüchlein und einen Ausblick auf die kommende Woche, in der schon die Sommerpost starten wird!

Sommerdruckfreude

Sommerdruckerei ©muellerinartstudio

Am letzten Mittwoch sah mein Studiotisch vor Beginn des Workshops wieder genauso aus wie das Einleitungsfoto in „Bunte Blätter“. Ein dicker frischer Wiesenblumenstrauß, die Geldruckplatten und meine Lieblingsdruckfarben warteten auf die Teilnehmerinnen.

Im Laufe des Tages füllten sich wieder alle Wäscheleinen und Ablageflächen mit frischen Blätterdrucken. Wie immer waren alle ganz begeistert von den feinen Abdrucken, die mit der Akua-Druckfarbe möglich ist. Die Vermeidung von Acrylfarbe ist nur ein zusätzlicher Grund, für Pflanzendrucke diese sojaölbasierte Farbe zu nutzen. Ich werde für die viele Werbung, die ich für diese Farbe mache, übrigens nicht bezahlt! Es ist reine Überzeugung und ich muss ich die teure Farbe auch selber kaufen. Die Qualität der Drucke ist einfach überzeugend, sowohl auf der Geldruckplatte, wie im Direktdruck oder auch beim Milchtütendruck.
Allerdings ist die langsam trocknende Farbe auch nicht für alle Einsatzzwecke geeignet, weshalb ich manchmal doch noch zur Acrylfarbe greife.

Sommerdruckerei ©muellerinartstudio

So entstanden bei der Sommerdruckerei auch Gummiband-Bücher aus bedrucktem SnapPap, das wir mit Acrylfarbe eingefärbt haben. Die Anleitung dafür gibt es auch in „Bunte Blätter“ und auch online im Haupt-Magazin. Am Ende hatten wir wieder ein wunderschönes Finale mit allen Büchern und Drucken. Und davon blieb auch dreckiges Acryl-Pinselwasser übrig.

Sommerdruckerei ©muellerinartstudio

Clara ist die Lösung

In den letzten Jahren meinen Umgang mit Acrylfarbe sehr verändert. Ich nutze sie viel weniger, für den Pflanzendruck bevorzuge ich, wie schon erwähnt, die sojaölbasierte Druckfarbe. Überhaupt entsteht beim Gellidruck kein Farbwasser, da die Farbe direkt auf der Platte verteilt wird und komplett mit dem Papier abgezogen wird. Platten und harte Farbwalzen kann gut mit Feuchttüchern abwischen.

Beim Schablonendruck, der immer noch meine Lieblingstechnik ist, versuche ich auch zu vermeiden, dass Acrylfarbe ins Abwasser gelangt, indem ich möglichst wenig auswasche und die meisten Reste auf Papier oder Stoff auswalze. Mittlerweile bin ich schon dazu übergegangen, die billigen weichen Farbwalzen so lange feucht zu halten, bis sie kaputt gehen und sie dann zu entsorgen.

Acrylfarb-Wasser reinigen ©muellerinartstudio

Wenn ihr meinen Blog schon länger lest, seid ihr dafür auch schon sensibilisiert. Vor zwei Jahren habe ich eine Methode gefunden, die mir machbar und sinnvoll erschien. Lest gerne nochmal in diesen Blogpost. Allerdings ist der Umgang mit Alaun und Sumpfkalk etwas umständlich und ich habe nicht die richtigen Behälter, Filter und Messbecher. Zwischenzeitlich habe ich auch Katzenstreu ausprobiert, das das dreckige Farbwasser aufsaugt, aber überzeugt war ich davon auch nicht.

Als ich vor ein paar Wochen auf Instagram über „Clara“ der neuen Firma Kunstrein gestolpert bin, war ich sofort sehr neugierig und habe angefragt, ob ich das das neue Produkt testen darf. Steffi hat mir sofort ein Set zugeschickt – ganz herzlichen Dank dafür! Ansonsten werde ich für diesen Artikel nicht bezahlt, ich berichte aus eigenem Antrieb und Überzeugung.

Es dauerte dann tatsächlich etwas, bis ich genug Farbwasser zusammen gesammelt hatte, was mich eigentlich auch gefreut hat. Nach dem Stoffdruck-Workshop vor zwei Wochen hatte ich dann endlich einen 2 Liter Eimer gefüllt und konnte das Set testen. Es besteht aus einem Eimer zum Sammeln von Pinselwasser, einem größeren Eimer zum Filtern, einem Durchschlag, Filterpapier, Messbecher und zwei Flüssigkeiten, die so heißen wie meine Tochter. Vielleicht ist es mir das Ganze deshalb auch so sympathisch.

Man gibt nach und nach die beiden Flüssigkeiten zum Farbwasser. Durch die Behälter und Messbecher stimmt das Mischungsverhältnis. Die beiden Flüssigkeiten bewirken – soweit ich es verstanden habe – das Gleiche wie die Methode, die ich vor zwei Jahren vorgestellt habe: Der PH-Wert wird verändert und die festen Bestandteile im Wasser verklumpen. Wie das ganz genau funktioniert, wird auf der Seite von Kunstrein ganz genau erklärt.

Acrylfarb-Wasser reinigen ©muellerinartstudio

Das Farbwasser mit den beiden Flüssigkeiten lässt man eine Zeitlang stehen. Dabei sieht man schnell, wie sich die festen Teilchen von der Flüssigkeit trennen und kann dann alles durch das mitgelieferte Filterpapier filtern.

Am nächsten Tag war nur ein blaugrauer Matsch im Papier und klares Wasser übrig.

Weil ich gelesen habe, dass man diesen Filtermatsch auch noch für Kunst benutzen kann, habe ich ihn probeweise durch eine Schablone gespachtelt. Das funktioniert, es wurde allerdings nach dem Trocknen sehr bröselig.

Auf Stoff macht dieser Restdruck nicht viel Sinn, da die Farbe wieder abbröselt, auf Papier hält es etwas besser. Wahrscheinlich haben sich die Bindemittel mit aufgelöst. Aber das ist ja auch nur ein Nebenprodukt. Ich kann das Filtrat auch trocknen lassen und im Restmüll entsorgen.

Acrylfarb-Wasser reinigen ©muellerinartstudio

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass es endlich fachkundige und engagierte Menschen gibt, die sich diesem Problem annehmen und eine umweltverträgliche Lösung gefunden haben, um zu verhindern, das noch mehr Mikroplastik in den Wasserkreislauf gelangt. Wenn ihr weitere Fragen zum Produkt habt, schaut gerne auf die Seite von Kunstrein.

Neue Seiten in Türkis

Monatsbüchlein Juni ©muellerinartstudio

Mein Monatsbüchlein ist am langen Feiertagswochenende mit mir gen Norden gereist. Es füllten sich nur wenige Seiten, diesmal mit Stoffen und Stichen. Von der weiteren geballte Kreativität dieses Wochenendes werde ich nächste Woche berichten. Ich habe jedenfalls alle Farbrollen und Paletten, die dabei im Einsatz waren, dreckig in einer Kiste wieder mit zurück genommen. Die Farbwalzen dürfen bis zum nächsten Einsatz feucht in einer Plastikdose warten. Die Paletten habe ich mit wenig Wasser abgewaschen und das Waschwasser gestern noch mit Clara gereinigt.

Nächste Woche wird es auch ein neues Mittwochs-Interview geben. Freut euch auf Regina Calvo in Wien, die mit ihrem Label Two22 wunderbare Geschichten von altem Bauernleinen erzählen kann.

Monatsbüchlein Juni ©muellerinartstudio

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