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Acrylfarben und Mikroplastik

18. März 2019 9 Comments

Acrylfarben und Mikroplastik

18. März 2019 9 Comments

Ich drucke am liebsten mit Acrylfarbe. Acrylfarbe ist günstig, in tollen Farben zu haben, sie lässt sich leicht verarbeiten und mischen, ist wasserlöslich und trocknet zu einer festen wasserfesten Schicht. Das ist gerade für meine Buchbinde-Projekte praktisch, da die Muster auf den Bucheinbänden sich ja später nicht wieder auflösen sollen, sobald man sie in die Hand nimmt.

Acrylfarbe wird in trockenem Zustand Kunststoff und bei der Reinigung meiner Werkzeuge und Materialien landet eine ganze Menge davon im Abwasser. Lange Zeit habe ich überhaupt nicht weiter nachgedacht und jahrelang meine Pinsel unter fleißendem Wasser ausgewaschen, Paletten, Schwämme, Rollen einfach so mit Wasser gereinigt. Wasserlöslich hört sich so harmlos an, denke ich noch an die lösungsmittelhaltigen Farben, mit den ich noch im Studium in der Siebdruck-Werkstatt gearbeitet habe.

In letzter Zeit durch die Diskussion um Plastikmüll und Mikroplastik im Wasser werde ich immer sensibler und überlege, was ich anders machen kann und diskutiere dies auch mit meinen Kursteilnehmerinnen.

Beim Schablonendruck saugen sich die Rollen so richtig mit Farbe voll. Nach dem Druck ist meist noch ganz viel Restfarbe in den Rollen. Deshalb veranstalte ich seit einiger Zeit in meinem Workshops am Ende der Druckzeit immer eine ausgiebige Farbrollen-Aussroll-Session: Mit ein wenig Wasser verdünnt, lässt sich mit den Farbresten noch eine Menge Papier bedrucken. Restpapiere habe ich auch meist reichlich und die so gefärbten Papiere sind eine tolle Basis für Collagen oder wir binden Hefte daraus.

Trotzdem ist auf den Glasplatten, die ich als Paletten benutze, immer noch eine Farbschicht übrig. Sie trocknet zu einem festen Kunststoff-Film, den ich am nächsten Tag mithilfe von etwas warmen Wasser und einem Ceranfeld-Schaber abkratzen kann. Übrig bleibt ein Häufchen Plastik, das ich im Restmüll entsorge. (Entsorgen ist ein ganz blödes Wort…)

Die Pinsel, Rollen, Schwämme und Paletten und Pinsel wasche ich nun auch nicht mehr einfach unter fließendem Wasser, sondern stelle eine Schüssel ins Waschbecken, in der ich den Farbabwasch mache.

Das schmutzige Farbwasser filtere ich jetzt immer durch ein Tuch, das ich in einen Durchschlag lege, da bleibt eine Menge hängen. Das Tuch werfe ich dann in den Restmüll. Ich habe die Hoffnung, das die kleinsten noch im Wasser gelösten Farbpartikel in der Kläranlage vernichtet werden, keine Ahnung, ob das wirklich so ist.

Ja, die Schwämme und Rollen sind auch aus Plastik. Ich versuche, sie möglichst lange zu benutzen. Zunächst im Haushalt, dann kommen sie in die Waschmaschine und später nutze ich sie für die Farbe. Auch Farbtuben und Flaschen sind aus Kunststoff, eine ziemliche Plastikschlacht das ganze, Mist.

Alternativen habe ich noch nicht wirklich. Ich möchte auch nicht aufhören zu drucken und die Farben zu benutzen. Vielleicht habt ihr Ideen, wie man in der kreativen Arbeit Plastik vermeiden kann und Mikroplastik verringern kann? Ich freue mich auf einen regen Ausstausch und eure Meinungen!

Michaela

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9 Comments

  • Ulrike 18. März 2019 at 18:36

    Oh, da greifst du ein Thema auf, was mich auch schon länger beschäftigt, und ich bin sehr gespannt auf weitere Tipps im Umgang mit der Restfarbe in den Arbeitsmaterialien.
    Deine Idee mit dem Auffangtuch in der Schüssel finde ich schon mal sehr gut…das Farbeausrollen auf Schmierpapier praktiziere ich auch schon lange. Statt der Glasplatten benutzte ich immer ein Stückchen Alufolie als Palette, die kann ich zusammenklappen, damit die Farbe für den nächsten Tag nicht eintrocknet, und wenn alles trocken ist, muss ich nichts abkratzen, sondern kann das Stück Folie im Restmüll entsorgen.
    Liebe Grüße Ulrike

  • Jorin 18. März 2019 at 19:25

    Die Gedanken mache ich mir auch seit einiger Zeit. Kosmetik mit Mikroplastik benutze ich erst gar nicht (und dachte schon, ich wäre da fein raus), aber irgendwann kam mir dann die Frage, wie es eigentlich mit Acrylfarbe aussieht. Wenn Kläranlagen Mikroplastik ausfiltern könnten, hätten wir die Probleme ja nicht, ich fürchte, auch das Tuch, mit dem Du filterst, bringt nicht besonders viel – sonst könnte man das Problem ja ganz leicht lösen. Das Tuch im Restmüll landet entweder in der Verbrennungsanlage (brennt Mikroplastik rückstandsfrei weg?) oder auf der Deponie – und als Mikroplastik wieder im Grundwasser. Auch Alufolie (Ulrike erwähnt sie) ist nicht wirklich umweltbewusst.
    Du siehst, mir fällt da erstmal auch nichts ein, stattdessen sehe ich überall Probleme, möchte aber auch nicht auf Acrylfarben verzichten.
    Liebe Grüße von Frau Frosch

  • KAZE 18. März 2019 at 22:15

    Alles futsch, was ich geschrieben habe, komme morgen nochmal!

  • ninakol. 19. März 2019 at 8:50

    Oh, stimmt, die Farbpartikel sind Mikroplastik, ich muss gestehen, dass ich kaum Akrylfarbe nutze, daher habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Für die Linoldrucke nehme ich Farben auf Ölbasis. (Stoffdruck Linolfarbe)
    Eine echte Alternative weiss ich aber auch nicht.
    Es wird fleissig geforscht im Bereich Kläranlagen und es gibt erste Filter, die 97% herausfiltern können. Aber wenn ich dann lese, dass zB Kontkatlinsen, durch Starkregen eingeschwemmtes Plastik von Baustellen (Dämmung) und Zigarettenkippen ein viel grösseres Problem sind, … aber wenn man nicht vor der eigenen Haustür anfängt…
    Also Auswaschen nur noch im Glas und anschliessend ausfiltern wäre damit bei mir angesagt, Rollen nutze ich auch bis zum Gehtnichtmehr, Farbreste abkratzen und ja… leider alles in den Restmüll
    neue Ideen kann ich auch nicht beisteuern

    liebe Grüsse
    Nina

  • Andrea 25. März 2019 at 21:06

    Ich finde es toll, dass du dir darüber Gedanken machst. Durch meine zwei, sehr auf Nachhaltigkeit bedachte, Töchter, versuchen wir daheim viel bewusster als früher mit dem Thema Plastik umzugehen. An meine Kreativutensilien habe ich da ehrlich gesagt noch gar nicht gedacht… Danke, für den Gedankenanstoß!
    Liebe Grüße Andrea

  • Kerstin Treber-Koban 8. April 2019 at 10:30

    Hallo Michaela, ich bin heute, nach gefühlten 100 Jahren, das erste Mal wieder online. Ich kenne diese Gedanken nur zu gut. Das begegnet einem im Kreativbereich/Kunsthandwerk überall (Tonglasuren, ausgerüstetes Strickgarn, bedruckte Stoffe) und bei „Kreativtechniken“ die im Trend liegen erst Recht (denk nur mal an Window Colours oder Bügelperlen).
    Das eigentliche Problem entsteht ja im Moment der Produktion und nicht des Verbrauchs und ich denke, das wir als Verbraucher da weniger in der Hand haben, als wir glauben. Dazu ist weltweiter Handel viel zu kompliziert. India Flint, die Ecoprint quasi erfunden hat, fertigt Schablonendruck mit Kuhmist an. Das ist radikal.
    Deinen Ansatz und deine Gedanken finde ich klasse und auch, dass du darüber schreibst. Aber habe kein schlechtes Gewissen, unsere Möglichkeiten und unsere Verantwortung ist begrenzt.
    Viele liebe Grüße, Kerstin

  • Tanja (vom Schloss) 17. April 2019 at 9:41

    Liebe Michaela,
    dank deiner Gedanke habe ich meine Frühlingspost mit einer Kleistermischung aus Speisestärke und Lebensmittelfarbpulver gestaltet- hat super funktioniert! Und bei der Arbeit, in der Osterhasenwerkstatt mit den Kindern, haben wir die Acrylfarben dieses Mal sehr sparsam in Pfützen auf Papier herausgegeben- nicht großzügig auf Tellern, von denen wir die Reste einfach mit Wasser abgespült und weggespült haben. Das Papier haben wir mit den Farbresten im Restmüll entsorgt- auch blöd, aber wohl besser als im Wasser weggeschwemmt…
    Danke für´s Vordenken! Herzliche Grüße, Tanja

  • Anne 19. Mai 2019 at 10:55

    Es ist erstaunlich, dass es gerade im kreativen-künstlerischen Bereich bisher wenig Angebote in der Richtung gibt. Warum hat noch keine Firma Farben erfunden, die die Eigenschaften von Acrylfarbe haben, aber ohne Kunststoffe auskommen? Oder wären das dann Ölfarben?
    Es stimmt schon, wenn man sich kreativ austobt, ist das oft eine ziemliche Material-Schlacht… Ich kann nur bei mir selbst anfangen, Material möglichst effizient einsetzen (wobei das ja im Grunde fast Grundprinzip von ausprobieren widerspricht) , Reste verwerten und vielleicht immer mal wieder bei den Händlern nachfragen, ob es umweltfreundliche Alternativen gibt. Es wundert mich einfach, dass es zu dem Thema so wenig Info gibt… Das müsste doch auch im Interesse der Wasserversorger sein, (Hobby)Künstler darauf aufmerksam zu machen, dass « wasserlöslich » nicht unbedingt ein Attribut für Umweltfreundlichkeit ist. … es ist kompliziert…

    • Michaela 20. Mai 2019 at 18:26

      Liebe Anne, entschuldige, dass ich erst so spät antworte. Dein Kommentar ist im Spam gelandet. Ja, die Farben gibt es, Gouache oder Linoldruck, aber die sind dann eben nicht wasserfest nach dem Trocknen. Und ja, es ist kompliziert, aber ich bleibe dran und das sollten wir alle!

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